Ahnungsloser Patient? Ihr Recht auf Selbstbestimmung im Zahnarztstuhl

Was Sie zum Thema Knochenersatz wissen müssen

Kleinostheim / Frankfurt,März 2010 – Unschöne Zahnlücken müssen im Zeitalter der modernen Implantologie nicht mehr sein. Doch was tun, wenn der Kieferknochen sehr stark beeinträchtigt oder zurückgebildet ist? Etwa die Hälfte der Patienten ist von zu schwachem Kieferknochen betroffen. Dann ist ein Knochenaufbau vor der Implantation nötig. Denn wie Häuser nicht auf Sand gebaut werden können, braucht auch der neue Zahn ein festes Fundament. Um dieses Fundament stark genug zu machen, kann der Zahnarzt verschiedene Knochenaufbaumaterialien verwenden. Doch wie erfahre ich, welche? Nutzen Sie Ihr Recht auf Information und Selbstbestimmung. Ihr Arzt klärt Sie gerne über die verschiedenen Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile auf.

„Boviner Knochenersatz“ steht auf dem Aufklärungsbogen, den der Zahnarzt seinen Patienten zusammen mit dem Heil- und Kostenplan aushändigt. „Autolog“ steht da auch, ebenso wie „synthetisch“. Doch was bedeutet das alles? Das wird im Aufklärungsgespräch mit dem Zahnarzt nicht immer deutlich. Bovin bedeutet vom Rind – bovines Material wird also aus Rinderknochen hergestellt. Porcines Material stammt vom Schwein, wird aber seltener verwendet. Autolog (oder autogen) sind Bezeichnungen für körpereigene Knochensubstanz. Diese gewinnt der Arzt an anderer Stelle des Körpers, meist im Kiefer oder Beckenkamm. Synthetische Knochenersatzmaterialien kann man in Aufbau und Verhalten mit echtem Knochenmaterial vergleichen. Sie haben die gleiche Struktur wie die weit verbreiteten Materialien aus Rinderknochen, aber keine biologische Vorgeschichte. Deshalb tragen sie kein Restrisiko für allergische Reaktionen und Infektionen.

Ihr Recht auf Aufklärung

Sind Sie sich unsicher? Sie haben noch Fragen, oder Sie verstehen den Aufklärungsbogen nicht? Fragen Sie bei Ihrem Arzt aktiv nach! Denn Sie sind im Recht: Ihr Zahnarzt ist verpflichtet, Sie umfassend aufzuklären. Dies gilt sowohl für den Eingriff selbst als auch für die verwendeten Materialien. Möchte der Arzt bovines Material nutzen, muss er Sie über die möglichen Alternativen aufklären. Das schreibt das Gesetz vor. In dem Gespräch mit Ihrem Arzt sollten Sie auch klären, wie lange die Heilung dauert und wann die Implantate gesetzt werden können. Manche Implantate ermöglichen es Ihnen, sofort wieder ganz normal zu essen. Andere dürfen einige Wochen oder Monate nicht oder nur wenig belastet werden. Sie sollten auch ansprechen, ob Sie eine Vollnarkose während des Eingriffs benötigen; den meisten Patienten reicht eine örtliche Betäubung völlig aus.