Kieferknochenaufbau: Wann ist er notwendig?

Indikationen und Materialien

Kleinostheim / Frankfurt, Juni 2010 – In der modernen Zahnmedizin ist Kieferknochenaufbau häufiger erforderlich, als man denkt. Denn nicht nur Zahnimplantate brauchen ein stabiles Fundament. Auch bei Parodontitis, Zysten oder nach Extraktion von Weisheitszähnen können Knochendefekte und Hohlräume entstehen, die einen Knochenaufbau notwendig machen. Trotzdem wissen viele Patienten nichts oder nur sehr wenig über den Eingriff, die Methoden und die verwendeten Materialien.

Um neuen Kieferknochen entstehen zu lassen, kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Hierbei wird entweder auf körpereigenen Knochen oder körperfremdes Knochenersatzmaterial zurückgegriffen. Vielen Betroffenen ist meist unbekannt, dass das am häufigsten verwendete Knochenersatzmaterial aus den Knochen von Rindern hergestellt wird. Wird patienteneigener Knochen verwendet, gewinnt der Zahnarzt diesen in der Regel aus Kiefer oder Hüfte. Eine echte Alternative stellt ein synthetisches Ersatzmaterial der neuesten Generation dar, das alle Vorteile der herkömmlichen tierischen Ersatzmaterialien in sich vereint. Das spezielle Produkt ist wie menschlicher Knochen aufgebaut. Es fördert das körpereigene Knochenwachstum und ermöglicht durch seine poröse Struktur das Einwachsen von Blutgefäßen, durch die der neue Knochen mit Nährstoffen versorgt wird. Im Gegensatz zu biologischen Knochenersatzmaterialien vermeidet es sowohl potenzielle, materialbedingte Infektionsgefahren als auch die Risiken einer zweiten Operation bei der Verwendung von patienteneigenem Knochen.

Welche Gründe gibt es für den Aufbau eines zurückgegangenen Kieferknochens?

  1. Aufbau nach Zahnverlust. Karies ist in Deutschland Volkskrankheit Nummer 1. Nur etwa ein Prozent der Erwachsenen ist kariesfrei. Die Zahnfäule wird durch Bakterien verursacht, die den Zahnschmelz angreifen. Der Schaden kann so groß sein, dass der Arzt den Zahn entfernen muss. Die Folge: Es entsteht eine Lücke. Bleibt diese unbehandelt, besteht die Gefahr, dass die Zahnreihe in sich zusammenfällt. Das sieht nicht schön aus, kann sehr schmerzhaft sein und im schlimmsten Fall sogar die Kaufunktion beeinträchtigen. Darum füllt der Zahnarzt das Loch mit Knochenersatzmaterial auf. Der Knochenaufbau verhindert, dass sich die umliegenden Zähne in den Hohlraum neigen. Um die Lücke zu schließen, kann der Patient anschließend ein Implantat oder eine Brücke wählen.
  2. Stärkung des Kieferknochens als Basis für ein Zahnimplantat. Jedes Jahr entscheiden sich durchschnittlich 800.000 Deutsche, eine Zahnlücke mit einem fest im Kiefer verankerten Zahnimplantat zu schließen. Bei etwa der Hälfte ist der Kieferknochen zu schwach, zu dünn oder zu schmal für den neuen Zahn. Häufig ist der Knochenschwund eine Folge von zu geringer Belastung des Kiefers über einen längeren Zeitraum, beispielsweise durch das Tragen einer Brücke oder Prothese. Mit einem Knochenaufbau kann der Kiefer gezielt dort gestärkt werden, wo ein stabiles Fundament für den Zahnersatz gebraucht wird. Das neue synthetische Knochenersatzmaterial ist aufgebaut wie menschlicher Knochen. Es fördert das kör-pereigene Knochenwachstum und ermöglicht durch seine poröse Struktur das Einwachsen von Blutgefäßen, durch die der neue Knochen mit Nährstoffen versorgt wird.
  3. Knochenaufbau nach akuten Kieferoperationen. Ist der Nerv eines Zahns krank oder abgestorben, kann sich die Zahnwurzelspitze oder der umgebende Knochen entzünden. Das therapiert der Zahnarzt mit einer Wurzelkanalbehandlung. Kann er damit keinen Erfolg erzielen oder ist dieser Schritt nicht möglich, muss er die entzündeten Stellen entfernen, um den Zahn zu erhalten. Diese so genannte Wurzel-spitzenresektion (abgekürzt WSR) erfolgt von außen über den Kieferknochen, nicht wie bei der Wurzelbehandlung über die Kaufläche des Zahns. Bei der Entfernung der entzündeten Bereiche wird oft der Kieferknochen so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der Arzt den Defekt mit einem Knochenersatzmaterial wieder auffüllen muss.

Beratung ist das A und O

Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Zahnarzt oder Implantologen umfassend aufklären und beraten, wenn ein Knochenaufbau ansteht. Dies gilt sowohl für den Eingriff selbst als auch für die verwendeten Materialien. Insbesondere bei „bovinen“, also aus Rinderknochen gewonnenen Knochenaufbaumaterialien, muss der Arzt mögliche Behandlungsalternativen, z.B. mit synthetischen Materialien, erläutern. Die Beratung muss Sie in die Lage versetzen, eigenverantwortlich entscheiden zu können, welche Behandlung Sie wählen. Das hat das Oberlandesgericht Stuttgart im Jahr 2005 in einem Urteil festgelegt.